Snapchat: Hype oder Trend?

Teenager sind verrückt danach, Eltern wissen nichts damit anzufangen: Snapchat. Was die Social Media Plattform ausmacht und ob es sich hierbei nur um einen Hype oder tatsächlich um einen ernst zu nehmenden Trend handelt, durchleuchten wir in diesem Beitrag.

Snapchat. Ein Begriff, der den meisten von uns zwar bekannt ist, unter dem sich aber immer noch viele nichts konkretes vorstellen können. Was genau tun die 200 Millionen User, von denen die meisten sich in ihren Teenager-Jahren befinden, eigentlich genau bei Snapchat? Und was können Unternehmen damit anfangen? Können sie überhaupt etwas damit anfangen?

Diese und weitere Fragen versuchen wir heute in einem Beitrag, vollgepackt mit Daten & Statistiken, zu klären.

ZAHLEN & FAKTEN

2011 gegründet, gehört Snapchat mittlerweile zu den wertvollsten digitalen Start-Ups der Welt.

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Aktuell verzeichnet Snapchat 200 Millionen aktive Nutzer weltweit, rund 100 Millionen davon auf täglicher Basis – und das innerhalb von viereinhalb Jahren. Das rasante Wachstum ist stärker, als es bei den Konkurrenten des Netzwerkes, Facebook, Twitter, Instagram, zum entsprechenden Zeitpunkt der Fall war. Facebook, gegründet 2004, hatte vier Jahre nach der Gründung rund 140 Millionen User, bei Twitter waren es gerade mal 30 Millionen. Instagram konnte nach den ersten vier Jahren zwar mehr Nutzer verzeichnen als Facebook und Twitter, kommt aber dennoch mit 180 Millionen im direkten Vergleich nicht an die Zahl von Snapchat heran. Das lässt Hoffnungen und Träumereien über die Zukunft von Snapchat zu – doch sind diese gerechtfertigt?

Konkrete Zahlen gibt das Unternehmen selbst nur sehr ungern heraus. Anhand diverser Umfragen und Studien zur Nutzung zeichnet sich jedoch ab, in welchen Ländern die App vorzugsweise verwendet wird.  Überraschenderweise steht, hingegen der allgemeinen Wahrnehmung, nicht die USA an erster Stelle, sondern ein Land, das vermutlich die wenigsten erwartet hätten: Irland.

Die USA landet im direkten Nutzungsvergleich der Haupt-Userschaft auf Platz 6 – Deutschland immerhin an neunter Stelle. Wichtig hierbei ist es jedoch, im Hinterkopf zu behalten, dass diese Statistiken sich lediglich auf den Anteil der Jugendlichen (16 bis 19 Jahre) bezieht – auch wenn diese die Mehrheit der Snapchat-User darstellen.

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USER

Snapchats User sind deutlich jünger als die Nutzer anderer Social Media Kanäle: Mit 52% der Userschaft dominieren die 16 bis 24 jährigen das Netzwerk. Dazu kommen die 25 bis 34 jährigen mit einem Nutzeranteil von 32%. Alle Altergruppen darüber behaupten nur einen Bruchteil der Nutzung für sich.

Snapchat_Altergruppen_Statistik

Wieso ist das so besonders?
Ganz einfach: Die sogenannten „Millennials“ (geboren um das jahr 2000 herum) sind eine Usergruppe, die auf anderen Plattformen nur sehr schwer zu erreichen ist. Selbst das „Standard-Rezept“ Facebook hilft hier nicht viel, denn diesen Kanal verwenden sie fast gar nicht mehr. Mit Snapchat gibt es nun also seit einiger Zeit eine App, die bei den Jüngeren Gefallen findet – und somit auch Möglichkeiten für Werbetreibende aufgibt.

FUNKTIONEN

Was mache ich eigentlich auf Snapchat? Was bringt mir diese App? Wieso fahren so viele Jugendliche darauf ab, wo liegt der Schlüssel zum Erfolg?

Fragen über Fragen – doch vorweg erst einmal: Snapchat wird meist als Social Media oder „soziales Netzwerk“ bezeichnet. Genau genommen könnte man es jedoch auch dem Bereich der Instant Messenger zuordnen. Denn die Basisfunktion von Snapchat ist im Prinzip ganz simpel: Nachrichten austauschen. Vorab kann ich natürlich, wie auch auf anderen Plattformen, Freunde hinzufügen. Allerdings gibt es hier, im Gegensatz zu anderen Kanälen, für andere nicht die Möglichkeit, einzusehen wie viele (oder welche) Freunde ich in meinem Netzwerk habe.

Nachrichten werden bei Snapchat nicht, wie beispielsweise bei Whatsapp, in Textform verschickt, sondern die User senden sich gegenseitig Fotos (sogenannte „Snaps“ – Schnapschüsse) oder Videos. Diese können auf vielfältige Weise bearbeitet werden: Sticker bzw. Emojis einfügen, Filter auflegen, Zeit einstellen, bemalen & beschreiben.

Emojis kennen wir von eigentlich jedem Social Network oder Messenger: So haben wir auch bei Snapchat die Möglichkeit unsere Fotos aufzuhübschen, indem wir ein paar lustige (oder auch weniger lustige) Emojis auf das Bild setzen. Das geht schnell & einfach.

Snapchat Snap Emoji

Von Instagram kennen wir sie alle: Die Filter. Das Prinzip der Filter (ich lasse meine Fotos heller, dunkler, verschwommen, farblich verändert etc. etc. aussehen) ist also nicht neu. Auch bei Snapchat gibt es Filter, die mein Foto in schwarz-weiß oder heller darstellen.

Was allerdings neu ist, sind die besonderen Selfie-Filter & Geo-Filter: Mache ich ein Selfie mit meiner Snapchat-App, habe ich die Möglichkeit (durch kurzes Tippen auf das eigene Gesicht im Selfie-Modus und anschließendes längeres Drücken darauf) einen Filter aufzulegen, den ich durch Bewegen meines Kopfes verändern kann. Diese Filter werden regelmäßig ausgetauscht und es erscheinen stetig neue Möglichkeiten.

Wie ein Foto mit Selfie-Filter aussehen kann, seht ihr hier:

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Neben diesen gibt es seit neuestem auch Geo-Filter, die ich über meine Snaps legen kann. So zeige ich meinen Freunden beispielsweise wo ich mich momentan befinde.

snapchat Geofilter

Wem diese kreativen Gestaltungsformen nicht ausreichen, der kann in verschiedenen Farben auf dem Snap malen oder auch Text einsetzen.

Zusätzlich habe ich die Wahl wie lange mein verschickter Snap dem Empfänger angezeigt werden soll. Hier kann ich zwischen 1 und 10 Sekunden auswählen (Button links unten). Hier liegt die eigentliche Besonderheit von Snapchat: Alle Bilder werden nach maximal 10 Sekunden wieder gelöscht! Das unterscheidet die App maßgeblich von anderen Foto-Apps wie beispielsweise Instagram.

Das Bild oder Video kann zusätzlich in den eigenen Fotos gespeichert (mittiger Button), oder meiner Story hinzugefügt werden (dritter Button von links mit dem +). Ein Klick auf den Pfeil rechts unten versendet den Snap. Es besteht die Möglichkeit, diesen an einen oder auch mehrere Empfänger zu verschicken. Wähle ich mehr als einen Adressaten aus, so wird mein Snap jedoch trotzdem einzeln versickt, d.h. der Empfänger kann nicht erkennen, dass er nicht der einzige war, der diese Mitteilung erhalten hat.

Snapchat malen

 

Stories, oder Geschichten, sind eine weitere Funktion, die Snapchat seinen Usern anbietet. Hier kann ich als Nutzer einzelne Snaps meiner Story hinzufügen, die dann für alle meinen Followern/Freunden einsehbar ist. Diese Technik nutzen beispielsweise viele Prominente, um ihre Fans auf dem Laufenden zu halten. Für meine eigene Story kann ich einsehen, wie viele Nutzer (inklusive Nutzernamen) sich die Story angesehen haben. Jeder User wird hierbei nur einmal gezählt, auch wenn er sie öfter anschaut. Aber Achtung: Alle Geschichten bleiben nur exakt 24 Stunden veröffentlicht. danach sind sie verschwunden.

Darüber hinaus gibt es wechselnde Live-Events, die ich mir als User ansehen kann. Hierzu werden Snaps und Videos von anderen Usern, die beispielsweise mit einem bestimmten Geo-Filter versehen sind, von Snapchat aneinander gereiht. Bisher ist diese Funktion vor allem für amerikanische Events verfügbar (beispielsweise beim Super Bowl).

Discover bietet Unternehmen und Marken die Möglichkeit, eigene Inhalte zu posten und diese prominent auf der Discover-Seite anzeigen zu lassen. Hierzu muss ich als User diesen nicht folgen. Vielmehr habe ich keinen Einfluss darauf, welche Discovers mir angezeigt werden. Auch diese wechseln immer mal wieder.

 

Snapchat Stories     snapchat Discover

 

NUTZEN

Eine junge Zielgruppe, die einer App zum rasanten Aufstieg verhilft. Aber aus welchem Grund fasziniert Snapchat eigentlich immer mehr Teenager und andere Altergruppen? Die Antwort ist im Prinzip simpel:  Es ist die einfache Handhabung, die (vermeintliche) Privatspähre und vor allem die vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten.

Millennials rezipieren zwar unheimlich viel aus dem Internet, selber verbreiten sie allerdings eher etwas zurückhaltender. Daher bietet sich Snapchat als Messenger für das Versenden privater Nachrichten an, die kurze Zeit später nicht mehr existieren.
Dazu kommt der hohe Spaßfaktor. Snapchat entertained. Ich habe unzählige Möglichkeiten meine Snaps zu gestalten – und diese verändern sich dazu noch ständig (Beispiel: Filter). Durch die Discover-, Story- und Live-Funktionen kann ich zudem mit einem größeren kreis „in Kontakt treten“ bzw. mir Neuigkeiten aus meinem privaten Umfeld und Interessensgebiet ansehen.
Entertainment pur.
That’s it.

VERWENDUNG FÜR UNTERNEHMEN

Funktionen, Nutzerstruktur und Sinn von Snapchat hätten wir soweit geklärt. Eine junge Zielgruppe, die ich auf anderen Kanälen nur schwer erreichen kann, die aber auf Snapchat sehr aktiv ist. Soweit so gut. Doch wie komme ich als Unternehmen genau an diese jungen Leute heran?

Bisher gibt es noch keine „Best Practice“-Strategie für Snapchat Campaigning. Hier sind aber einige stellvertretende Beispiele, die zeigen in welcher Form Snapchat eingesetzt werden kann:

Influencer Relations: Eine einflussreiche Persönlichkeit, ein Produkt, eine Geschichte – fertig ist die perfekte Snapchat Story.

 

Live-Erlebnisse: Wir können nicht an allen Events der Welt teilnehmen. Genau hier kann ich als Unternehmen einhaken und meinen Usern Backstage-Stories, Live-Mitschnitte und zusätzliche Infos bieten. Ein Beispiel, diesmal sogar aus Deutschland, ist die Story des Radiosenders 1Live zu Deutschlands größter Radiopreisverleihung „Die 1Live Krone“.

Auch Blicke hinter die Kulissen des Unternehmensalltags oder Mitschnitte aus dem Arbeitsleben oder kurze Mitarbeiter-Vorstellungen könnten für Unternehmen eine Chance sein, sich der jungen Zielgruppe als attraktiv und authentisch zu präsentieren.

Zu den Oscars 2016 hat Snapchat, bisher nur als App verfügbar, zum ersten Mal eine Web-Version ins Leben gerufen. Hier konnten User aus aller Welt das Geschehen bei der Oscarverleihung live mitverfolgen – und das auch am Laptop. Diese Aktion war bisher einzigartig, könnte in der Zukunft aber sicherlich noch häufiger von Snapchat zur Verfügung gestellt werden.

Weitere Kampagnenbeispiele aus 2015 findet ihr hier.

Vor einigen Tagen wurde der erste gesponsorte Selfie-Filter aktiviert – und zwar von Samsung. Hier konnte ich mir selbst mithilfe des Filters eine Samsung Virtual Reality Brille aufsetzen. Sollte Snapchat diesen Bereich noch stärker ausbauen, dann würde dies eine große Werbefläche für Unternehmen bieten – immerhin werden weltweit pro Sekunde mehr als 8.500 private Snaps verschickt.

Auch gesponsorte Geo-Filter sind seit jüngster Vergangenheit ein Thema: Snapchat bietet nun an, eigene Geo-Filter zu entwerfen und zu verbreiten. Diese können dann an lokalen Orten und zu bestimmten Zeiten angeboten werden, wie Social Media Examiner berichtet.

snapchat Sponsored Filter

(Bildquelle: Social Media Examiner, „Snapchat’s New On-Demand Geo-Filters and How Brands Can Use Them“, 23. Februar 2016)

Discover: Über die Discover-Funktion können Marken sich einen Platz in der App reservieren und Inhalte schalten. Zudem gibt es seit Ende 2010 in den USA die Möglichkeit, Werbung zu schalten.

Doch natürlich ist das Ganze nicht immer so einfach wie es aussieht. Die Problematik bei Snapchat ist beispielsweise die Messbarkeit. Bisher ist es nur schwer zu messen, welche Reichweite eine solche Kampagne erzielt. Auch ist die Integration in andere Kanäle momentan noch etwas prolematisch. Hier gibt es den „Snapcode“, der im Stile eines QR-Codes den User auf das entsprechende Snapchat-Profil führt.

FAZIT

Snapchat ist definitiv mehr als nur ein Hype – die Nutzerzahlen und vor allem das rasante wachstum sprechen klar dafür. Werbetreibende haben teilweise bereits erkannt welches Potenzial die App bietet, denn mit einer erfolgreichen Kampagne kann so eine sehr interessante Zielgruppe erreicht werden. Allerdings steckt Snapchat, vor allem in Deutschland, noch in den Kinderschuhen – sowohl bezüglich der Nutzung als auch der Kampagneneinsätze. Das Unternehmen Snapchat sucht derzeit noch nach Möglichkeiten seine Umsätze zu steigern, um schwarze Zahlen zu schreiben. Hier sehe ich eine gute Chance für Werbetreibende, dass in diesem Bereich stärker entwickelt wird.
Wir können gespannt sein, was Snapchat als nächstes einführt!

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Snapchat Snapcode

 

Quellen und weiterführende Links:

 

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