Ich sehe was, das du nicht siehst: Der Newsfeed Algorithmus

Wie Social Media Algorithmen funktionieren & was diese mit unserem Newsfeed anstellen

Großer Aufschrei im Netz: Nach Facebook und Twitter folgt nun anscheinend auch Instagram dem vorherrschenden Trend und führt einen eigenen Algorithmus für den Newsfeed ein. Grund genug um sich mal etwas genauer mit diesem Thema zu befassen: Wieso setzen Soziale Netzwerke auf einen Newsfeed Algorithmus, was hat das mit den Usern zu tun und was zur Hölle ist eigentlich überhaupt so ein Algorithmus? In diesem Sinne: Feuer frei für eine nähere Betrachtung.

Facebook Newsfeed Algorithmus

Ich logge mich bei Facebook ein oder öffne die App und schaue mir auf meiner Startseite, dem sogenannten Newsfeed, die neuesten Nachrichten und Beiträge an. Einfach ein bisschen hin und her scrollen und schauen was meine Freunde und abonnierten Seiten gepostet haben. Das kennt doch jeder von uns, oder? Doch Moment mal: Neueste Beiträge? War da nicht noch etwas?

Oh ja, und dieses „etwas“ heisst Facebook Algorithmus bzw. Newsfeed Algorithmus und wurde früher auch Edgerank genannt. Und eben dieser sorgt dafür, dass ich als User nicht einfach alles angezeigt bekomme, das veröffentlicht wird, sondern nur bestimmte Beiträge.

Was erst einmal etwas unverschämt klingt („Wieso entscheidet Facebook darüber, was ich zu sehen bekomme und was nicht?!“) ist im Prinzip gar keine so schlechte Sache. Denn würden wir tatsächlich alle Posts zu sehen bekommen, würden wir im absoluten Informations-Wirrwarr versinken.

Welche Faktoren entscheiden also nun darüber, was mir angezeigt wird und was nicht? Facebook macht aus dem Algorithmus ein großes Geheimnis. Bekannt ist allerdings, dass unter anderem diese drei Kriterien eine große Rolle spielen: Affinity, Weight, Time Decay (sprich: Affinität, Gewichtung, Zeit).

Affintät

Die Affinität wird schlicht und einfach daran gemessen, wie „eng“ ich als User mit der Seite des Absenders verknüpft bin und gilt sowohl für Unternehmen (Fanpages) als auch für private Freunde. Das heisst, wenn ich mit der Person häufig Kontakt habe (z.B. das Profil besuche, Messages verschicke, Beiträge like, usw.) dann wird ein neuer Beitrag dieser Seite in Puncto Affinität höher eingestuft als andere. Facebook bewertet bei diesem Kriterium sozusagen wie eng zwei User miteinander befreundet sind.

Gewichtung

Hier kommt der Faktor Interaktion ins Spiel. Für eine positive Gewichtung benötigt man eine hohe Interaktion. D.h. hierbei kommt es unter anderem darauf an, wie häufig ein Beitrag geliked, kommentiert oder geteilt wurde. Allerdings fließt bei diesem Kriterium auch eine individuelle Vorliebe des Users ein, denn like ich beispielsweise hauptsächlich Posts mit Bildern, werden mir in Zukunft auch häufiger Bilder angezeigt. Das gleiche gilt natürlich auch für Links, etc. Hierbei spielt es allerdings keine Rolle, ob ein Post normal geliked oder mit einer der neuen Reaktionen (love, wow, etc.) versehen wurde.

Zeit

Natürlich ist Zeit ein wichtiger Aspekt im Facebook Algorithmus. Denn welcher User möchte gern Postings auf seinem Newsfeed sehen, die bereits drei oder vier Wochen alt sind? Niemand. Daher verfolgt Facebook die Regel, keine Beiträge, die älter als eine Woche sind, anzeigen zu lassen.

Darüber hinaus spielt es aber eine Rolle, wie groß der Zeitabstand zwischen Veröffentlichen des Posts und Login des Users ist. Wenn der Beitrag also kurz vor meinem Öffnen der Facebook-App gepostet wurde, dann stehen die Chancen höher, dass er in meinem Newsfeed erscheint. Das bedeutet allerdings nicht, dass nicht auch ältere Postings angezeigt werden. Hier spielen wiederum die beiden bereits genannten Kriterien Affinität und Gewichtung eine Rolle.

Die weiteren geheimen Faktoren

Diese Faktoren sind natürlich nicht in Stein gemeißelt und können, wie eigentlich alles andere bei Facebook auch, morgen schon völlig anders bewertet werden. Außerdem spiegeln sie nur einen ganz kleinen Teil dessen wieder, was Facebook wirklich alles in seinem Algorithmus berücksichtigt. Glaubt man den Informationen von Allfacebook, so fließen zusätzlich noch diese Kriterien mit ein:

Allfacebook Newsfeed Facebook Algorithmus

(Bildquelle: Allfacebook)

Seit Anfang März gibt es zusätzlich ein besseres Ranking für Live-Videos. Hiermit versucht Facebook die neu eingeführte Funktion der Live-Beiträge zu pushen und sie attraktiver zu gestalten. Das bedeutet für meine Fanseite, dass ein Beitrag mit der Live-Video-Funktion höher eingestuft und damit auch häufiger angezeigt wird, als andere. Dieses Vorgehen gilt allerdings nur für Videos, die aktuell noch live sind. Während dieser Zeit werden sie den Usern ganz oben im Feed angezeigt. Sobald sie beendet wurden werden sie wie normale Inhalte behandelt.

Twitter Newsfeed Algorithmus

Anfang Februar ging das Gerücht durch die Internet-Welt, Twitter wolle ebenfalls einen Newsfeed Algorithmus einführen. Dieser sollte die Tweets nicht mehr chronologisch sortieren, sondern nach Relevanz. Das Gerücht erzeugte einen großen Aufschrei bei vielen Twitterern, die unter dem Hashtag #RIPTwitter ihrem Unmut freien Lauf ließen. Insbesondere der Live-Faktor spiele bei Twitter eine große Rolle und sei der Grund, weshalb viele User dort überhaupt aktiv sind:

Twitter-CEO Jack Dorsey reagierte auf die Tweet-Welle und postete, dass Twitter auf seine User hört und sie gar keinen vollständig neuen Algorithmus einführen möchten, sondern lediglich eine neue Funktion.

Diese „While you were away“-Funktion zeigt den Usern einige ausgewählte Tweets an, die im Zeitraum der letzten Anmeldung und jetzt gepostet wurden. Direkt darunter erscheinen wie gewohnt in Realtime die aktuellsten Postings. Worauf die Auswahl der „While you were away“-Tweets basiert, wird allerdings nicht transparent erläutert. Ob ein geänderter Algorithmus folgt, der die Tweets nicht mehr rein chronologisch, sondern nach Relevanz sortiert, anzeigt, wird die Zukunft zeigen.

Eines hat #RIPTwitter aber wohl gezeigt: Wir User haben mehr Einfluss als wir manchmal glauben.

Instagram Newsfeed Algorithmus

Nach Twitter folgt nun also auch Instagram: Das Foto-Netzwerk verkündete am 15. März, es wolle ebenfalls einen Newsfeed Algorithmus einführen, der bestimmt, welche Postings uns angezeigt werden. Grund hierfür sei, dass User etwa 70% der Beiträge verpassen, weil sie viel zu viele Inhalte angezeigt bekommen. Das wiederum würde laut Instagram dazu führen, dass wir viele Posts, die wir eigentlich gern sehen wollen würden, gar nicht beachten.

Wie der neue Algorithmus funktionieren soll? Die Funktionsweise klingt erst einmal stark nach der, die Facebook an den Tag legt: Die Relevanz soll „based on the likelihood you’ll be interested in the content, your relationship with the person posting and the timeliness of the post“ festgelegt werden, erklärt Instagram seinen Usern. Basierend auf Interessen, meinem „Like-Verhalten“ zu bestimmten Inhalten, dem Verhältnis zur postenden Personen und der Zeit des Beitrages. Diese Kriterien hören sich tatsächlich auch bei näherer Betrachtung weiterhin nach denen des Facebook Algorithmus an.

Nach #RIPTwitter folgt nun also ein #RIPInstagram – zumindest wenn man nach zahlreichen Postings auf Twitter und Instagram geht und es wurden sogar erste Petitionen gegen die Neuerung gestartet:

 

 

 

Bis der neue Feed aber tatsächlich bei den Nutzern ankommt, dauert es höchstwahrscheinlich noch eine Weile. Denn eines hat Instagram wohl aus dem Fall Twitter gezogen: Ohne seine User geht gar nichts! Daher liegt es nahe, dass das Unternehmen diese Erneuerung erst einmal vorsichtig ankündigt und betont, dass sie natürlich das Feedback der Nutzer miteinbeziehen wollen („We’re going to take time to get this right and listen to your feedback along the way. You’ll see this new experience in the coming months.“). Ausgetestet wird das Ganze zunächst an einer kleinen Testgruppe.

Bedeutet das, dass ich nicht mehr alle Beiträge zu sehen bekomme?
Nein, denn laut den Angaben von Instagram wird lediglich die Reihenfolge nach Relevanz sortiert und es sollen weiterhin alle Beiträge angezeigt werden. Die Frage ist nur: Scrolle ich als User so weit herunter…

Was bedeutet der neue Algorithmus für Accounts von Unternehmen und Marken?
Dies ist zunächst noch nicht ganz eindeutig zu beantworten. Denn, ähnlich wie bei Facebook, kommt es also nun noch stärker darauf an, dass ich interessante Inhalte poste, die meiner Zielgruppe eine hohe Interaktion hervorrufen.
Da die Reichweitenmessung bei Instagram allerdings noch nicht so ausgeprägt ist wie beispielweise bei Facebook, kann die Reichweite meines Accounts bisher noch nicht genau gemessen werden. Das heisst, dass ich im Prinzip nicht sicher sagen kann, ob ich nach der Änderung nun mehr oder weniger Personen erreiche.

Ob Instagram an diesem Algorithmus festhält, oder ihn letztendlich doch noch einmal abändert, wird die Zukunft zeigen.

Fazit

Was wir daraus schließen können? Ja, auch hier zieht das Buzzword (oder wenn man so will vielmehr der „Buzz-Sentence“): Content is King. Klingt wie immer simpel, ist aber dennoch wichtig: Eine Fanpage muss den Usern Mehrwert bieten und das geht nur über relevante und ansprechende Inhalte. Diese erzeugen höhere Interaktionen, werden besser bewertet, etc. etc. – ihr kennt das Spielchen.

Dazu sollte beispielsweise die Häufigkeit bzw. Regelmäßigkeit der Postings beachtet werden. Veröffentlicht meine Seite an einem Tag drei Beiträge und dann zwei Wochen lang gar nichts mehr, so werden die Posts hinsichtlich des Zeitfaktors schlechter eingestuft und daraus resultierend seltener angezeigt. Eine gleichmäßige Veröffentlichung relevanter Inhalte kann also dazu führen, dass die Beiträge wesentlich häufiger angezeigt werden.

 

Photos courtesy of and copyright Free Range Stock, www.freerangestock.com

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